Gabi Puelacher Naturheilkunde für schulmedizinisch austherapierte Fälle - Seminare für Tierhalter

Zum Beruf des THP

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Lucky Puelacher

Das Berufsbild des Tierheilpraktikers

Der THP arbeitet im Allgemeinen freiberuflich, eine Ausbildung ist bisher nicht vorgeschrieben. Es gibt aber einige seriöse Institute, die auf eine fundierte Ausbildung Wert legen und auch das Wissen ihrer Schüler regelmäßig überprüfen. Leider gibt es auch sehr viele selbsternannte "Heiler", die ohne entsprechende Ausbildung ihr Unwesen treiben und mit ihrem angelesenen Halbwissen nicht nur am Tier selbst, sondern auch für den gesamten Berufsstand des Tierheilpraktikers großen Schaden anrichten. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum so viele Tierärzte diesem Beruf und der Naturheilkunde allgemein sehr skeptisch gegenüberstehen. Es ist wichtig, sich vorab über den Behandler zu informieren, dem man sein Tier anvertraut.

Jemand, der keine anderen als die von ihm angewandten Heilweisen akzeptiert, sichere Heilerfolge verspricht, oder auf Weiterbildung keinen Wert legt, sollte mit größter Vorsicht betrachtet werden. Ein lebender Organismus ist keine Maschine, die nach Austausch eines Ersatzteils wieder funktionsfähig ist, deshalb kann keine Therapie als absolut sichere Heilmethode gelten.

Ein verantwortungsvoller THP wird auch seine Grenzen kennen und einen Fall, der mit seinen Methoden nicht behandelbar ist, an die entsprechende Stelle verweisen. Dies kann ein anderer THP sein, genauso wie ein Tierarzt oder eine Klinik.

Schulmedizin und Naturheilkunde sollten sich mit Offenheit und gegenseitiger Achtung begegnen und zum Besten der Patienten sinnvoll ergänzen

Berufsaussichten für Tierheilpraktiker

Da mir immer wieder Fragen zur Ausbildung und den Berufsaussichten des THP gestellt werden, habe ich hier meine Gedanken zu diesem Thema zusammengestellt. Dieses Referat stellt also meine persönliche Meinung dar und ist nicht allgemeingültig.

Bevor man sich für eine umfangreiche und sehr kostspielige Ausbildung entscheidet, gibt es einige grundsätzliche Punkte, die man gründlich überdenken und absolut ehrlich beantworten sollte (am besten schreibt man sie auf). Nur so lassen sich Enttäuschungen und Fehlentscheidungen vermeiden.

Folgende Fragen sind wichtig für den angehenden Tierheilpraktiker / Tiertherapeuten:

  1. Habe ich konkrete Vorstellungen von der Arbeit, wenn ja, welche?
  2. Warum will ich unbedingt diesen Beruf erlernen?
  3. Was will ich später mit dieser Ausbildung anfangen (eigene Praxis?)
  4. Kann meine Vorbildung / mein Hobby mir bei der Ausbildung nutzen?
  5. Habe ich genug Zeit und Ruhe, um auch außerhalb der Schule zu lernen?
  6. Kann ich mich selbst genügend motivieren?
  7. Bin ich geldlich abgesichert, habe ich eventuell auch die finanzielle Grundlage für eine Praxis?
  8. Habe ich Ideen für eine Spezialisierung und wie kann ich diese realisieren?
  9. Wie ist das Umfeld (Verdienstmöglichkeiten, Konkurrenz)?
  10. Welche Auflagen gibt es für eine Praxiseröffnung?
  11. Habe ich das passende Nervenkostüm?
  12. Bin ich bereit, mich ständig weiterzubilden?

Zu Punkt 8: Vor einigen Jahren war die Ausbildung zum Chiropraktiker sehr modern. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es in NRW kaum gute Pferdebehandler gibt. Und die Kollegen aus Norddeutschland lassen sich natürlich die Anreise bezahlen – wenn sie überhaupt für einzelne Tiere kommen. Nachteil: Es gibt nur wenige gute Ausbildungsinstitute, eine nebenberufliche Schulung ist meist nicht möglich und diese Zusatzausbildung ist sehr teuer.

Die Hufpfleger-Ausbildung war ebenfalls zeitweise sehr modern, hier halte ich (das ist allerdings meine persönliche Meinung) den Markt bereits für übersättigt.

Psychotherapeuten werden (leider) zunehmend benötigt, da immer mehr Tiere psychische Probleme entwickeln, die beispielsweise durch falsche, unnatürliche Haltungsbedingungen entstehen. Außerdem kennen sich sehr wenige Tierhalter wirklich in der Psyche der ihnen anvertrauten Lebewesen aus, weshalb sehr viele Probleme aus falscher Erziehung zu beheben sind. Immer mehr Tierfreunde entscheiden sich für einen Tierschutzfall, was durchaus sehr erfreulich ist. Leider haben diese Tiere oft Schlimmes durchmachen müssen und benötigen oft Hilfe, sich mit einem „neuen“ Leben ohne Angst und Schmerzen zu arrangieren. Auch hier gibt es großen Bedarf an Fachleuten, die den neuen Besitzern und ihren Tieren helfen, die Situation zu meistern. Die Kenntnis anderer, unterstützender Therapien halte ich für sehr wichtig, da man beispielsweise mit Bach-Blüten und Homöopathika sehr effektiv gegen psychische Störungen angehen kann. Außerdem besteht für Tierpsychotherapeuten ein großes Betätigungsfeld im Bereich Unterricht. So kann man etwa Seminare in Schulen, Tierschutzvereinen, Hundevereinen, Hundeschulen, Reitställen und so weiter abhalten.

Ein weiterer Bereich, wo Fachkräfte immer noch sehr rar sind, ist die Diätetik. Oft suchen Tierhalter vergeblich nach jemandem, der sie zur korrekten Fütterung ihres vierbeinigen Kameraden beraten kann. Sei es, dass ein Pferd in den Leistungssport gehen und optimal ernährt werden soll, oder dass ein alter Hund eine spezielle Ernährung zu seinem körperlichen Zustand benötigt, hier ist Fachwissen gefragt. Auch in diesem Bereich gibt es die Möglichkeit einer Lehr- oder Vortragstätigkeit, zum Beispiel in Futtermittelmärkten und verschiedenen Vereinen.

Momentan boomt der Markt um die sogenannten sanften Reitweisen und den artgemäßen Umgang mit dem Tier. So bieten sich Fortbildungen in diesen Disziplinen an, zum Beispiel Parelli-Lehrgänge oder LTJ-Kurse. Hier ist es dann möglich, selbst zu unterrichten, wenn man sich das Wissen und eine gewisse Praxis angeeignet hat.

„Mangelware“ sind auch gute Tiermasseure. Diese Arbeit betrifft nicht nur Sportpferde, sondern zunehmend auch Haustiere, beispielsweise nach Operationen zur Rehabilitation und Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Bei der steigenden Zahl der Umweltkrankheiten (MCS; Allergien, ...) kann es sinnvoll sein, sich auf diese, von der Schulmedizin häufig verkannten oder als „untherapierbar“ oder „austherapiert“ abgestempelten Fälle zu spezialisieren. Hierfür ist ein großes Maß an Einfühlungsvermögen in die Tierseele, aber auch in die Psyche des Halters gefragt. Häufig haben beide schon eine Odyssee von Klinik zu Klinik und zu sämtlichen Tierärzten der Umgebung hinter sich. Die Tiere wollen einfach keine weiteren Manipulationen mehr und werden aggressiv oder geben sich auf, die Halter vertrauen niemandem mehr, der behauptet, er könne ihrem Tier helfen. Dieses Vertrauen muss man sich hart erarbeiten. Umso wichtiger ist es, ehrlich zu bleiben und keine Versprechen zu machen, die man vielleicht nicht einhalten kann. Und umso schöner ist es aber auch, wenn der Halter mit sinnvollen Therapievorschlägen überzeugt werden kann und irgendwann auch das Tier wieder Vertrauen fasst und an seiner Genesung mitarbeitet. Wichtig ist aber in jedem Fall eine exakte und realistische Einschätzung der Gesamtsituation. Mit der Zeit lernt man auch, die Tierhalter herauszufiltern, die nicht wirklich bereit sind, alles zu tun, um ihrem Tier die Heilung auch wirklich zu ermöglichen. Oft ist es auch nur das schlechte Gewissen wegen vorheriger „Unterlassungssünden“, das sie zum THP gehen lässt („ich hab ja alles versucht“). Bei diesen Leuten scheitert die Behandlung meist schon, wenn es darum geht, dem Tier dreimal täglich ein Medikament zu verabreichen oder ein besonderes Futter zuzubereiten. Insgesamt halte ich diese Spezialisierung für die größte Herausforderung für THP und Tiertherapeuten. Deshalb sollte man auch schon eine gewisse Erfahrung in der Behandlung schwieriger Krankheitsbilder sowie im Umgang mit schwierigen Tierhaltern und deren Einschätzung besitzen, bevor man diesen Weg einschlägt.

Als zusätzliche Verdienstmöglichkeit bietet sich zum Beispiel der Verkauf von Tierfutter und –zubehör an, wofür allerdings die freiberufliche Ausübung der HP-Tätigkeit nicht ausreicht, sondern ein Gewerbe angemeldet werden muss. Dozentenstellen an Heilpraktikerschulen, Volkshochschulen und ähnlichen Instituten lassen sich relativ häufig finden.

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